
Chinesische Autobauer drängen mit aller Macht nach Europa. Für die deutsche Autoindustrie ist das eine existenzielle Bedrohung – gleichzeitig könnte es aber die Rettung für viele unterausgelastete Werke, Arbeitsplätze und Zulieferer sein.
Die Debatte ist inzwischen auch auf politischer Ebene angekommen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat sie offen angesprochen: Statt tatenlos zuzusehen, wie immer mehr chinesische Autos nach Europa importiert werden, solle geprüft werden, ob diese Fahrzeuge nicht direkt in deutschen Werken produziert werden könnten – beispielsweise bei Volkswagen.
Besonders dramatisch ist die Lage bei Volkswagen. Der Konzern plant bis 2030 den Abbau von mehr als 35.000 Arbeitsplätzen und eine deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten. Das Werk Zwickau, einst Vorzeigestandort für die E-Mobilität, steht massiv unter Druck. Dort laufen derzeit der ID.3, der Audi Q4 e-tron und der Cupra Born vom Band. Eine der Fertigungslinien soll jedoch perspektivisch wegfallen.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) sieht genau darin eine Chance. Er plädiert offen für ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner, um das Werk Zwickau langfristig zu sichern.
Auch beim Stellantis-Konzern ist man bereits einen Schritt weiter. Das Leapmotor-Modell B10 soll künftig im spanischen Werk Figueruelas bei Saragossa produziert werden. Außerdem ist ein neues batterieelektrisches Opel-C-SUV geplant, das stark auf Technologie des chinesischen Partners basiert.
Für die betroffenen Standorte würde eine solche Zusammenarbeit vor allem eines bedeuten: bessere Auslastung der teuren Werke und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig könnten deutsche Zulieferer und Ingenieure von der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit und den Kostenvorteilen der chinesischen Hersteller profitieren.
Allerdings birgt der Einstieg chinesischer Marken in deutsche Werke auch erhebliche Risiken. Kritiker warnen vor einem schleichenden Verlust von Know-how, einer steigenden Abhängigkeit und der Aufwertung chinesischer Marken durch das Qualitätssiegel „Made in Germany“. Hinzu kommen mögliche Konflikte mit Belegschaft und Gewerkschaften.
Dennoch wächst in der Branche die Erkenntnis: Stolz allein füllt keine Werke. Die chinesischen Hersteller sind in der Elektromobilität in vielen Bereichen bereits deutlich schneller und günstiger unterwegs. Eine pragmatische Zusammenarbeit könnte für einige deutsche Standorte der einzige realistische Weg sein, um den Strukturwandel zu überleben.
Die Zeiten, in denen die deutsche Autoindustrie den Weltmarkt allein dominierte, sind endgültig vorbei. Wie der Autostandort Deutschland die nächsten Jahre meistert, wird maßgeblich davon abhängen, wie intelligent er mit dem chinesischen Wettbewerb umgeht.
Die Zeiten, in denen die deutsche Autoindustrie den Weltmarkt allein dominierte, sind endgültig vorbei. Wie der Autostandort Deutschland die nächsten Jahre meistert, wird maßgeblich davon abhängen, wie intelligent er mit dem chinesischen Wettbewerb umgeht.
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