
Harvard, der Name, der jahrzehntelang für Spitzenforschung stand, ist in den CWTS Leiden Rankings 2025 auf den dritten Platz abgerutscht. An der Spitze steht jetzt die Zhejiang University aus China. Den zweiten Rang belegt die University of Toronto – doch der Trend ist eindeutig: China überholt die USA in der reinen Forschungsproduktivität.
Ich verfolge Universitätsrankings schon lange, und dieses Ergebnis fühlt sich anders an als die üblichen Listen. Die Leiden-Rankings, erstellt vom Centre for Science and Technology Studies der Universität Leiden in den Niederlanden, verzichten bewusst auf den ganzen Prestige-Kram: Keine Umfragen zu Reputation, keine Punkte für berühmte Absolventen oder Lehrqualität. Hier zählen nur harte Zahlen – wie viele Artikel eine Uni in anerkannten Zeitschriften veröffentlicht und vor allem, wie oft diese Arbeiten von anderen Forschern zitiert werden. Die Daten stammen aus der Web of Science-Datenbank, decken Publikationen vor allem von 2019 bis 2022 ab, Zitationen bis 2024. Kein Schnickschnack, nur Bibliometrie pur.
Besonders auffällig ist Chinas Dominanz. Von rund 1.600 weltweit gerankten Universitäten kommen 365 aus China – mehr als aus jedem anderen Land. Und ganz oben hat sich das Bild dramatisch verändert. Dass Zhejiang University die Nummer eins ist, kommt nicht aus dem Nichts. Dahinter stecken über ein Jahrzehnt massiver, gezielter Investitionen: Programme wie Project 985, Project 211 und die aktuelle Double-First-Class-Initiative haben Milliarden in Forschungskapazitäten, Top-Talente und Publikationen in hochzitierten Bereichen gesteckt – vor allem in Biomedizin, Ingenieurwissenschaften und Materialforschung.
Fachleute nennen mehrere Gründe für den Aufstieg. Erstens das pure Volumen: China produziert inzwischen mehr wissenschaftliche Papers pro Jahr als jedes andere Land, und die Qualität (gemessen an Zitationen) holt rapide auf. Zweitens kluge Kooperationen: Chinesische Forscher arbeiten extrem viel international zusammen. Die Leiden-Methode der „fractional counting“ – bei der der Credit anteilig nach Affiliationen aufgeteilt wird – belohnt genau das und treibt die Scores nach oben. Wie ein Experte es formulierte: China ist „Meister der strategischen Kooperation“ geworden, oft mit Partnern aus Europa oder den USA, um den Impact zu maximieren.
Auf der anderen Seite kämpfen US-Unis wie Harvard mit Gegenwind. Die staatliche Forschungsförderung stagniert seit Jahren, während die Kosten steigen. Es gibt Berichte, dass Einwanderungsregeln es schwerer machen, internationale Talente zu halten – und genau die sind das Rückgrat vieler Spitzenlabore. Politische Spannungen auf dem Campus tun ihr Übriges. Harvard bringt immer noch unglaublich einflussreiche Arbeiten hervor (oft führt es bei den meistzitierten Papers), aber in reinen Produktivitätsmetriken ist es nicht mehr unantastbar.
Das geht weit über akademisches Kräftemessen hinaus. Forschungsoutput hängt eng mit Innovation, Patenten, wirtschaftlichem Vorsprung und sogar nationaler Macht in technologiegetriebenen Bereichen zusammen. China verknüpft wissenschaftliche Stärke offen mit geopolitischen Zielen – Peking spielt das lange Spiel und will die F&E-Ausgaben bis 2030 auf 3 Prozent des BIP steigern. Die USA haben da bisher keinen vergleichbaren konstanten Aufwärtstrend bei Förderung und Politik gezeigt.
Andere Rankings zeichnen ein anderes Bild. In umfassenderen Listen wie der Times Higher Education 2026 steht Oxford immer noch an der Spitze, mehrere US-Unis (darunter Harvard und Stanford) tummeln sich in den Top Five oder Ten. Reputation und Ressourcen geben den Amerikanern dort noch Vorteile. Aber die Leiden-Zahlen sind ein Warnsignal: Das Schwergewicht der reinen wissenschaftlichen Produktion verschiebt sich nach Osten, und zwar schnell.
Caroline Wagner, eine Forscherin, die diese Entwicklungen genau beobachtet, spricht von einer „fundamentalen Neuverteilung globaler akademischer Macht“. Andere sehen es ähnlich – das ist keine Laune, sondern gezielte Politik, die Früchte trägt. Die Frage ist jetzt, ob amerikanische Hochschulen (und die Regierung dahinter) mit frischem Geld und Reformen gegensteuern oder ob der Abstand weiter wächst.
Für alle, die in der Hochschullandschaft, in der Tech-Branche oder einfach nur bei den nächsten großen Durchbrüchen hinschauen, lohnt es sich, das im Auge zu behalten. Die alten Gewissheiten, wer in der Wissenschaft führt, gelten nicht mehr so uneingeschränkt wie früher.
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