
China dreht weiter an der Schraube in der Chip-Rivalität mit den USA. Die Provinz Zhejiang, Heimat von Tech-Riesen wie Alibaba und dem Roboter-Startup Unitree, hat gerade ein ambitioniertes Fünfjahresprogramm vorgestellt: Bis 2030 soll es rasante Fortschritte bei Chip-Design und Wafer-Produktion im 3- bis 7-Nanometer-Bereich geben. Das ist kein kleiner Nebenplan – es geht um Low-Power-High-End-Chips für Allzweck- und KI-Anwendungen, plus die fünfte Generation der offenen RISC-V-Architektur.
Das Dokument, das kürzlich von staatlichen Medien zuerst aufgegriffen wurde, liest sich wie eine direkte Kampfansage an die US-Exportkontrollen. Seit Jahren schrauben die Amerikaner die Daumenschrauben enger: Keine modernsten Nvidia-GPUs mehr für China, Einschränkungen bei fortschrittlicher Lithografie-Ausrüstung – das Ganze soll Pekings Tech-Aufstieg bremsen. Stattdessen wird jetzt überall im Land auf Eigenständigkeit gesetzt, und Zhejiang positioniert sich als einer der Vorreiter.
Warum ausgerechnet 3 bis 7 nm? Weil das der Sweet Spot für richtig leistungsstarke, aber energieeffiziente Chips ist. Ein 7-nm-Chip packt schon 90 bis 100 Millionen Transistoren pro Quadratmillimeter, bei 3 nm sind es 200 bis 224 Millionen. Genau diese Dichte braucht man für KI-Modelle, die immer größer und hungriger werden. TSMC, der Weltmarktführer aus Taiwan, macht mit seinen 3-, 5- und 7-nm-Prozessen inzwischen 77 Prozent seines Wafer-Umsatzes im letzten Quartal 2025 – das zeigt, wie entscheidend diese Nodes für die globale Tech-Wirtschaft sind.
Zhejiang will da nicht nur mitreden, sondern mitmischen. Die Provinz ist kein Neuling: Alibaba sitzt hier, baut eigene Server-Chips und investiert massiv in Cloud und KI. Unitree zeigt, was mit smarter Hardware in Robotik möglich ist. Jetzt kommt der nächste Schritt: gezielte Förderung von Design-Häusern und Fertigungskapazitäten, die unabhängig von westlicher Tech funktionieren sollen.
Das passt ins große Bild. Peking drängt seit Jahren auf technologische Selbstversorgung – „Made in China 2025“ war nur der Anfang. Inzwischen sprechen sogar Xi Jinping und andere von Durchbrüchen in AI und Halbleitern 2025. Andere Regionen wie Shenzhen oder Shanghai ziehen ähnlich nach. Überall entstehen Pläne für mehr heimische Produktion, bessere RISC-V-Implementierungen (die Open-Source-Alternative zu ARM und x86) und Wege, Sanktionen zu umgehen.
Klar, China hinkt bei den allerneuesten Nodes noch hinterher – SMIC schafft 7 nm, aber nicht in dem Volumen und der Effizienz wie TSMC oder Samsung. Doch der Druck von außen wirkt wie ein Turbo: Firmen wie Huawei mit ihren Ascend-Chips, DeepSeek mit effizienten Modellen ohne Nvidia-Hardware, oder neue Player, die auf hybriden oder chiplet-basierten Designs setzen – das alles beschleunigt den Fortschritt.
Für den Rest der Welt bedeutet das: Die Abhängigkeit von einer Handvoll Lieferanten wird brüchiger. Wenn Zhejiang (und China insgesamt) wirklich in 3-7-nm-Qualität skalieren kann, ändert das nicht nur die KI-Landschaft, sondern auch, wer künftig die Preise und Standards diktiert. Die USA setzen auf Blockade, China auf Ausdauer und Massenmobilisierung. Wer am Ende die Nase vorn hat, zeigt sich vielleicht schon in den nächsten paar Jahren.
Eins ist sicher: In der Tech-Welt wird es nie wieder so sein wie vor den Sanktionen. Und Provinzen wie Zhejiang sind mittendrin dabei, die neue Realität zu formen.