Vor wenigen Wochen schrieb ich bereits über die überraschend hohen Werte asiatischer Automarken bei Kundenzufriedenheit und Zuverlässigkeit in den USA – und warum dies für Deutschland weit mehr als nur eine Randnotiz ist.
Im Artikel

„Die Automarken mit der größten Kundenzufriedenheit und größten Zuverlässigkeit in den USA – und warum das wichtig für Deutschland ist“

ging es bereits um die strukturellen Verschiebungen innerhalb der globalen Automobilindustrie.

Nun liefert die milliardenschwere Partnerschaft zwischen Volkswagen und dem amerikanischen Elektroautohersteller Rivian ein weiteres Puzzlestück, das diese Entwicklung bestätigt.

VW kauft nicht nur Anteile – sondern Zeit

Volkswagen investierte inzwischen rund fünf Milliarden Dollar in Rivian und wurde damit sogar größter Aktionär des amerikanischen Elektroautoherstellers – noch vor Amazon oder saudischen Investoren.
Offiziell geht es um eine strategische Software-Partnerschaft. Tatsächlich zeigt der Deal aber vor allem eines:

VW braucht Rivian womöglich dringender als Rivian VW braucht.

Denn die zentrale Herausforderung der modernen Autoindustrie ist längst nicht mehr nur Motorenbau, Fertigungsqualität oder Plattformengineering.
Das eigentliche Schlachtfeld ist heute Software.

Genau dort haben viele deutsche Hersteller in den vergangenen Jahren massive Probleme offenbart.
Verzögerte Modellstarts, fehlerhafte Betriebssysteme, überforderte Entwicklungsabteilungen und komplexe Konzernstrukturen machten deutlich:
Das klassische deutsche Automodell gerät unter Druck.

Warum die USA plötzlich technologisch attraktiver wirken

Interessant ist dabei, dass deutsche Hersteller heute zunehmend Technologie aus den USA einkaufen müssen – während jahrzehntelang eher das Gegenteil galt.

Rivian ist dabei besonders spannend, weil das Unternehmen zwar vergleichsweise klein ist, aber technologisch in einigen Bereichen deutlich agiler arbeitet als traditionelle OEMs.
Die Softwarearchitektur gilt als modern, flexibel und updatefähig – Fähigkeiten, die künftig über Erfolg oder Misserfolg ganzer Fahrzeugplattformen entscheiden könnten.

Das erinnert an Entwicklungen in anderen Industrien:

  • Deutsche Unternehmen dominieren oft weiterhin beim klassischen Maschinenbau.
  • Amerikanische Firmen dominieren jedoch zunehmend Software, KI und digitale Plattformen.
  • Genau diese Bereiche werden aber auch in der Automobilindustrie immer entscheidender.

Ein modernes Elektroauto ist letztlich zunehmend ein „Computer auf Rädern“.

Die kulturelle Herausforderung für deutsche Konzerne

Besonders bemerkenswert im aktuellen Fall ist die offenbar schwierige Zusammenarbeit innerhalb des VW-Konzerns selbst.
Laut Berichten gibt es erhebliche interne Widerstände – etwa von Porsche-Technikern, die Rivian eher als Fremdkörper oder Konkurrenz sehen.

Das ist nicht ungewöhnlich.

Große etablierte Industriekonzerne tun sich häufig schwer damit, externe technologische Impulse wirklich zu integrieren.
Besonders dann, wenn diese aus schnelleren Startup-Strukturen stammen.

Doch genau diese Fähigkeit könnte künftig entscheidend werden:
Nicht alles selbst entwickeln zu wollen, sondern die besten Technologien weltweit flexibel einzubinden.

Warum das für Deutschland wichtig ist

Deutschland lebt wirtschaftlich stark von seiner industriellen Basis – insbesondere von der Automobilindustrie.
Doch wenn die entscheidenden Technologien künftig zunehmend aus dem Ausland kommen, verändert das langfristig auch die Machtverhältnisse innerhalb der Wertschöpfungskette.

Wer kontrolliert künftig:

  • das Betriebssystem?
  • die Fahrzeugsoftware?
  • autonome Fahrfunktionen?
  • KI-Systeme?
  • Batteriemanagement?
  • Datenplattformen?

Der Hersteller des physischen Fahrzeugs könnte langfristig weniger wichtig werden als der Anbieter der digitalen Infrastruktur dahinter.

Genau deshalb ist die aktuelle Entwicklung bei VW und Rivian mehr als nur eine gewöhnliche Beteiligung oder Kooperation.
Sie ist ein Symptom für einen tiefgreifenden Wandel der gesamten Industrie.

 

Die Ironie der Entwicklung

Ausgerechnet Volkswagen – einst Symbol deutscher Industrie- und Ingenieursmacht – wird nun zunehmend abhängig von amerikanischer Softwarekompetenz.

Gleichzeitig zeigen die hohen Zufriedenheitswerte asiatischer Marken in den USA, die ich bereits im vorherigen Artikel analysiert habe, dass traditionelle deutsche Stärken alleine offenbar nicht mehr ausreichen.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr:

„Wer baut die besten Autos?“

Sondern:

„Wer kontrolliert künftig die entscheidenden Technologien hinter dem Auto?“

Und genau dort entscheidet sich möglicherweise die Zukunft der deutschen Industrie.

 

 

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